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Auf der Reise ins "ICH"
Oder
Begegnungen

Teil I

Die Frau, die in der Nachbarschaft wohnte, die dralle, mit den großen weißen Brüsten wurde meine Geliebte. Ich sehnte mich nach ihren Berührungen und bewunderte insgeheim ihren Körper. Ich war 13 Jahre alt und sie 11 Jahre älter.

Einmal überraschte ich sie mit einer anderen Frau im Heu. Beide lagen nackt im getrockneten Grasstadel und liebkosten sich. Die Frau, die Geliebte, kicherte, als ich mit hochrotem Kopf und sichtbar erregtem Zustand vor ihnen stand. "Es gibt noch andere Dinge zwischen Himmel und Erde als die Vereinigung zwischen Mann und Frau", hatte sie lachend gesagt und mich zu sich nach unten gezogen.

Wozu war mein Penis da, wenn sich die Frauen auch so gegenseitig reiben konnten? Zwei Jahre später: Der junge Mann, Musiker und mein Vorbild, mein Abgott an der Gitarre. "Das ist ein Zwitter", sagten meine Schulkameraden verächtlich und ich schaute genauer hin. Stimmt, zwei Hügel wölbten sich unter seinem Hemd. Aber was hat er in der Hose? Wochen später, ich nahm Gitarrenunterricht bei ihm, fragte ich einfach.

"Willst du es wirklich wissen", schaute er mich fragend an und seine Stimme bekam einen metallenen Klang, wie die tiefe E- Saite meines Instrumentes. Dann sah ich das Beste zweier Welten und wir liebten uns, versanken im Nichts der Begierde.

Ein Motorradunfall mit tödlichen Ausgang beendete all unsere Träume. Ich wurde ein stinknormales Sexschwein. Ich tobte auf der Bühne als Sänger und Gitarrist und in den Pausen vernaschte ich alles was mir zwischen die Beine kam.

Sieben Jahre später: Der Winter ist saukalt und ich muss raus an den See zur Nachtschicht. Die Unterhose ist zwar dick, kratzt aber. Auf dem Küchentisch liegt die Strumpfhose meiner Frau. Warum frieren Frauen nicht, obwohl sie solche dünnen Dinger anhaben? Ich ziehe die Strumpfhose an und fahre auf Arbeit. Wie eine zweite Haut liegt sie an, wärmt mich, gibt mir ein angenehmes Gefühl und ich fühle mich frei wie der Wind.

Bald sind die kalten Tage vorbei und ich laufe wieder nackt durchs Haus. Im Bad hängt eine Strumpfhose. Ich werde erregt und ziehe sie an. Bald geschieht es jeden Tag für ein paar Stunden. "Du bist total verrückt", denke ich und lass es schließlich.

Ich lerne einen Mann kennen. Er sagt, dass er mich liebt. Ich sage ihm auf dem Kopf zu, dass er mich nur vernaschen will. Wir tun es und ich finde es schön. Eine Woche, zwei Wochen. Alles geschieht heimlich. "Bin ich jetzt schwul?" Ich will nur noch, dass er mich nimmt, das er mir seine ganze Zärtlichkeit gibt. Die Erwartungshaltung ist zu groß und die Erfüllung bleibt aus. Wir trennen uns. Ich habe keine Zeit mehr für irgendwelche Spiele.

Meine Frau wird für Monate im Krankenhaus liegen und die zwei kleinen Kinder müssen versorgt werden. Arbeiten gehen, Wäsche waschen, Strümpfe stopfen, zerrissene Kleidung nähen. "Der ist ja besser als so manche Hausfrau. Jeden Tag hängt Wäsche auf der Leine", loben die Dorfratschen.

Mich interessiert das nicht. Ich fühle mich trotz dieser Dreifachbelastung pudelwohl. Zum ersten Mal in meinem Leben. Warum? Ich habe keine Zeit darüber nachzudenken. Doch, abends, wenn der Große und das Nesthäckchen, das Mädchen und Wunschkind, schlafen. Dann bin ich allein mit meinem Körper und meinen Gefühlen. Aber was sind das für sonderbare Gedanken die mir durch den Kopf schießen?

"Jetzt stört dich niemand, wenn du dir Strumpfhosen anziehen willst oder etwas anderes." Was denn noch? Was gibt es noch, was mich erregt, außer Strumpfhosen?" Ich durchforste den Kleiderschrank meiner Frau. Büstenhalter, Slips, seidene Unterröcke, Kleider. Alles toll, aber alles in der Größe zu weit und in der Länge zu kurz. Was tun? Neue Bekleidung kaufen geht nicht. Woher sollte ich das Geld nehmen? Ich besinne mich auf meine Ambitionen in Sachen Nähkünste.

Schon in der Schule war ich da oft besser als die Mädchen. Also Stoff gekauft und Schnittbogenmuster. Abend für Abend sieht es in der Wohnstube aus wie in einer Schneiderwerkstatt. Das Rädchen der Walze rollert über die Kurven und Bögen, und gräbt sich ein in die Vorlage. Schipp schnapp klingt lustig die Schere. So vertieft in meine Beschäftigung, merke ich nicht, wie meine Schwiegermutter eingetreten ist.

"Ausgerechnet die", denke ich. Da stehe ich nun, die Schere noch in der Hand, in Strumpfhosen, engem, kurzen Rock und einer Bluse, die mir noch zu weit ist. Darunter leuchtet ein kürzlich erworbener Büstenhalter. Wir konnten uns vom ersten Tag an nicht riechen. "Der Windhund hat mir mein Mädchen genommen", erzählte sie überall. "Der Weiberheld, der jedem Rock nachläuft soll sich wieder dahin verziehen, wo er herkommt."

Jetzt steht sie da, mit leuchtenden Augen und hält eine Flasche Rotwein hoch, die bis zu diesem Zeitpunkt hinter ihrem Rücken verborgen war. Sie fragt nicht, was ich tue. Schließlich ist die Situation eindeutig. Sie schaut, blickt mich an, nimmt ein Bandmaß und fordert mich auf, die Arme hochzunehmen. "Hol endlich zwei Gläser und dann wollen wir sehen was hier noch zu retten ist. Du hast dich vermessen."

In ihren Augen liegt kein Falsch. Dafür lese ich wildes Verlangen in ihnen. Ich habe nichts dagegen, bin ich doch schon zu lange allein. Es wird eine lange Nacht, und die Morgensonne begrüßt mich in den Armen meiner Schwiegermutter. "Dich wollte ich von der ersten Minute an", gestand sie irgendwann zwischen ihren wilden Umarmungen. Es wird das anstrengendste, aber auch schönste halbe Jahr meines bisherigen Lebens.

"Die Oma ist dir jetzt gut", sagt der Junge und das Mädchen plappert: "Ja weil der Papa so fleißig ist hat die Tante im Kindergarten erzählt." Ein Leben auf der Sonnenseite. "Ich liebe eigentlich Frauen, aber finde hier in diesem Kaff mal eine", gesteht Schwiegermutter und behandelt mich wie ihresgleichen.

Am Tag bin ich der fürsorgliche Familienvater und im Dunkel der Nacht die stürmische, begehrte Geliebte. Das Ende kommt mit einem Knall noch bevor meine Frau aus dem Krankenhaus entlassen wird. Die Schilderung der folgenden Auseinandersetzung ist aus heutiger Sicht sehr wichtig für meinen Ist- Zustand.

Obwohl ich alles wieder so machen würde wie ich es damals tat. Ich war und bin nicht monogam veranlagt. Was ist aber Treue? Das bin ich, aber auf meine Weise, den fremdgehen beginnt im Herzen. Schwiegermutter, die Gute, nahm mir viel Arbeit ab und mir blieben Freiräume die ich zu nutzen wusste.

"Was ist mit der Frau vom Bürgermeister?" begann der Eklat. Nach und nach gestand ich meine amourösen Abenteuer der letzten Zeit. "Ich dachte, du bist meine Frau und wir können so weiter leben. Vielleicht auch zu dritt wenn das deiner Frau nichts ausmacht. Vorgefühlt habe ich schon bei einem Besuch im Krankenhaus. Ich biete dir alles Glück dieser Welt und du nutzt meine Gunst so schamlos aus."

Vorwürfe die ich nicht zu entkräften suchte. Wieso auch? Ich wollte meinen Spaß und den höchsten Genuss. Meine Schwiegermutter hat mir neue Welten erschlossen. Erogene Zonen am Körper von denen ich vorher noch nicht einmal einen Hauch einer Ahnung hatte. "Du willst gar keine Frau sein, sondern das ist alles nur ein neuer Kick für dich."

Der Satz trifft mich nicht. Innerlich gebe ich ihr aber Recht. Ich gebe ihr Recht weil ich nicht zum überlegen oder nachdenken bereit bin. Es gibt zu diesem Zeitpunkt keine innere Stimme, und wenn, dann habe ich nicht danach gesucht.

Befriedigung der Lust ist das Wichtigste und dazu ist mir jedes Mittel recht. So sehe ich auch die Maskierung. Ich bin Hausfrau und Mutter zweier Kinder, kann mich also auch dementsprechend kleiden, und basta. Weiter reicht mein Horizont nicht.

Ich war eingetaucht in eine (meine?) Welt ohne es zu wissen, und habe sie wieder verlassen ohne einen Hauch des Bedauerns, damals.

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