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Paul K.*

TS und Psyche - eine Entwicklung
2.Teil

Wie der Zufall es so wollte, bekam ich das Angebot mit ein paar Freunden in den Skiurlaub zu gehen. Ich nahm an und so fuhren wir nach Davos in die Schweiz.

Meine Stimmung besserte sich zusehends und nach ein paar Tagen ging es mir wieder ganz gut. Natürlich lernte ich auch ein Mädchen kennen. Ich traf sie im Skilift und sie machte mir schöne Augen. Wir verbrachten ein paar Tage zusammen und an einem der letzten Abende verliebten wir uns. Aber der Abschied nahte und zum ersten Mal in meinem Leben merkte ich, dass dort ein Mensch war, der mich mochte.

Zu Hause angekommen, saß ich nun da und weinte. Was sollte ich tun? Der Wunsch gemocht zu werden, war so stark, dass ich mich schließlich einfach in den Zug setzte und zu ihr nach Hamburg fuhr. Natürlich unangemeldet! Es war ein seltsames Wiedersehen, so richtig im Leben, aber es funktionierte und nach einem halben Jahr des ständigen Herumreisens zog ich auch nach Hamburg.

Hier ging ich auf die Fachoberschule und sie machte eine Ausbildung. Wir waren glücklich aber da ganz tief unten in meinem Inneren schlummerte ein Verlangen, welches auch Karin nicht stillen konnte. Und so geschah es dann einem einsamen Wochenende, als Karin bei ihrer Großmutter war. Ich ging ins Warenhaus und kaufte mir Damenunterwäsche.

Eigene Sachen hatte ich noch nie gehabt und Karins passten mir nicht. Eine Verkäuferein beriet mich und ich erstand eine Miederhose. Ob sie etwas gemerkt hat, weiß ich nicht. Jedenfalls rannte ich sofort auf die Toilette im Kaufhaus und zog mir das Beutestück an. Heiße Wellen durchströmten mich, als ich so bekleidet wieder auf die Strasse ging.

Mit sexuellem Verlangen hatte das nichts zu tun, es war einfach Irrsinn. Und so irrsinnig ging es dann natürlich weiter. Immer, wenn ich alleine war, kaufte ich ein und wurde dabei auch mutiger. So hatte ich bald alles zusammen. Einen Rock, eine Bluse, Unterwäsche, Schuhe und ein billige, blonde Perücke.

Ich fing auch an, mich zu schminken und eines Tages hielt ich es einfach nicht mehr aus, mich als Frau zu verkleiden und im Zimmer herumzulaufen. Ich musste raus! Aber wohin? Als erstes ging ich Abends durch dunkle Gassen oder ich trieb mich auf Autobahnraststätten herum. Erkannt wurde ich nie. Ich traf ja auch nie jemanden. Irgend etwas in mir hatte die Angst vor Verachtung schon in meiner Kindheit so groß werden lassen, das ich bei dem Gedanken an Öffentlichkeit erschauderte.

Trotzdem wollte ich raus. Dieser Zwiespalt zerriss mich fast. Der Wunsch nach draußen war so groß, das ich es immer wieder tat. Irgendwann tat ich es nur noch und dachte auch nur noch daran. Es war wie eine Sucht: Wann bin ich allein, damit ich endlich Frau sein kann? Die Beziehung zu Karin litt natürlich sehr unter dieser Abkapselung.

Auch im Bett war es schwer für mich, da ich als Mann einfach keine Lust auf Sex hatte. Das war zwar schon immer so, aber ich stellte mir einfach dabei vor, dass ich die Frau sei. Es kam, wie es kommen musste: Irgendwann hatte Karin einen anderen und schließlich trennten wir uns.

Ich war sogar diejenige, die Schluss machte, weil ich zum einen die Schmach nicht ertrug und zum anderen hatte ich ein wahres Höllenweib kennen gelernt, welches mir einigermaßen gefiel. Wenn ich ehrlich bin, habe ich Karin eigentlich nur wegen meinem Wunsch nach Einsamkeit und Frau sein verlassen.

Mit der neuen Frau war es schrecklich. Da ich im Bett unter Druck war, ging bei mir irgendwann gar nichts mehr. Und sie drängelte immer mehr. Schließlich geriet ich dabei so unter Druck, das ich ihr unter Tränen gestand, lieber eine Frau sein zu wollen.

Meine Güte war das schwer. Ich fühlte mich wie der letzte Dreck. So mit meinen ganzen Sachen, der Heimlichkeit, meinen Gedanken und Wünschen. Alles war falsch, ich war falsch. Ich hatte den Menschen verlassen, den ich liebe. Und alles nur deswegen. Ich klappte einfach zusammen und heulte nur noch. Es war schrecklich.

Ich traf Karin wieder und gestand ihr endlich auch, was mit mir los war. Sie war sehr verständnisvoll und fragte, warum ich es ihr nie erzählt hatte. Ich wusste es nicht, damals. Heute glaube ich zu spüren, dass es wohl das hohe Podest gewesen sein muss, auf das sie mich gestellt hatte. Den Superman!

Meine neue Flamme wollte mit mir in Frauenkleidern Sex haben und so taten wir es auch. Es war fantastisch, endlich mal ein wenig offener Frau sein zu können. Das einzige Problem war aber, das ich nach einiger Zeit als Mann überhaupt nicht mehr konnte. Und als ihre Verachtung darüber immer stärker wurde, verließ ich sie nach einer durchgeheulten und durchgesoffenen Nacht. Ich war wieder frei. Ich war völlig allein. Und völlig am Ende.

Meine Freunde hatte ich vernachlässigt. Karin wollte mich nicht mehr - außer als guten Freund. Ich dachte, ich sterbe. Ich fing an, mich für meine Neigungen zu hassen. Für das, was mein Leben so langsam aber sicher zerstörte. Wieder hatte ich starke Suizidgedanken. Doch bevor es richtig ernt wurde, suchte ich mir einen Therapeuten.

Dieser Mensch sagte zwar, er wisse was TS ist, aber in Wirklichkeit hatte er nicht die geringste Ahnung davon. Und das in Hamburg. Dort, wo es viele Transsexuelle und auch eine Selbsthilfegruppe gibt. Von alledem wusste er nichts und ich traute mich alleine auch nirgendwo hin. Nicht in eine Gruppe und schon gar nicht auf die Reeperbahn. Was sollte ich auch da?

Und eines Abends, ich saß mit Karin in meiner Wohnung, passierte es dann. Während eines sehr komplizierten Gespräches, in dem ich mir so unheimlich klein ihr gegenüber vorkam, rollte meine erste Panikattacke über mich hinweg.

 

Fortsetzung folgt.

*Name ist der Redaktion bekannt