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Briefe von Bettina

Eine TS Frau berichtet ihr Leben in Briefen

Liebe Laura!
Irgendwann muss ich einen Anfang machen, auch wenn es schwer fällt rund 40 Jahre eines Lebens rückwirkend und vor allem einigermaßen objektiv Revue passieren zu lassen.

 


 

1 Kindheit:
Ich war ein zartes, oft krankes und von der Mutter sehr behütetes Wesen. Mein Vater spielte eigentlich keine sehr große Rolle. In meiner Kindheit (später mehr) arbeitete er sehr viel, besonders als er aus der Kriegsgefangenschaft kam. Ich kann mich eigentlich nur an ihm als einen sehr ruhigen, irgendwie verbissen wirkenden Mann erinnern, der eigentlich nur ganz selten in meine Erziehung eingriff.

Es waren ja auch schwere, harte Jahre gleich nach dem Krieg. Wir gehörten zu dem von dem Russen eroberten Teil Deutschlands. Mutter hatte das Heft eigentlich, wie man so sagt, fest in der Hand.

Die Kleiderfrage interessierte mich zwar damals herzlich wenig, aber aus heutiger Sicht würde ich sagen: irgendwie mädchenhaft. Obwohl ich meiner Mutter nicht unterstellen will, mich absichtlich mädchenhaft angezogen zu haben, muss ich doch lächeln, wenn ich alte Kinderbilder betrachte. Kurze Hosen, ein Pepitablüschen mit Bommeln dran und etwas längerem ganz brav gescheiteltem Haar.

Meine Mutter erzählte später oft, was ich doch für ein niedliches Kind war. Die Nachbarn sollen gesagt haben, an mir wäre ein Mädchen verlorengegangen. Ach die langen Wimpern und die schönen Augenbrauen. Gespielt habe ich meist allein, oder ältere Mädchen nahmen sich meiner an. Eigentlich mehr aus Erzählungen meiner Mutter weiß ich von Doktorspielen, die, nachdem sie ans Tageslicht kamen, einen riesigen Wirbel verursachten. Ich war wirklich ein richtiges Schäfchen, das alles mit sich machen ließ.

Auch mit anderen Jungs, beim spielen, war ich immer der Unterlegende. Oft bekam ich zu hören, "warum hast du dich nicht denn nicht gewehrt?" "Mutti, dann weinen die doch!", war meine Antwort. Kurz bevor ich in die Schule kommen sollte, wurde ich ernstlich krank, eine Knochen Tbc, das war in der schlechten Zeit damals sehr verbreitet.

Ich war also vom 7. bis zum 12. Lebensjahr im Krankenhaus. Auch hier wurde ich sehr viel gehänselt und unterdrückt. An einige Episoden kann ich mich noch erinnern. Ich wurde oft von den anderen Jungs gefesselt. Außerdem war es damals auf der Station so üblich, dass die Kinder die nicht still lagen, mit einer Art Bindegurt aus dem man sich nicht selbst befreien konnte, von den Schwestern ans Bett gefesselt wurden.

Eigentlich gut gemeint, aber komischerweise wurde ich auf einmal sehr unruhig. Ich wollte unbedingt so einen Bindegurt umbekommen. Und bekam ihm auch. Das hatte mit Sex zwar noch nichts zu tun, aber machte mich auf eine merkwürdige Weise glücklich. Mitte der 50er Jahre kam ich aus dem Krankenhaus nach Hause.
Und damit endet auch ein Abschnitt meiner Kindheit.

 


 

2 Jugendjahre:
Wieder sitze ich am PC im weiblichen Outfit (eine kurze Pause bei der Hausarbeit) und versuche Teile meines Lebenspussels irgendwie zusammenzubekommen. Es wird natürlich jetzt komplizierter, da eine Fülle von Erinnerungen auf mich eindringen die es zu sortieren, zu werten und gefühlsmäßig zu verarbeiten gilt.

Eigentlich merke ich, dass mir beim Schreiben dieses Lebensberichtes eine ganze Menge Zusammenhänge klarer werden und sich eine ganze Menge Fragen von selbst Beantworten. Es ist wohl doch was dran am "sich frei schreiben." Doch nun weiter.

Ich hatte durch meinen Vater inzwischen Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Eine Schule kannte ich bis dato nicht. Ich wurde in die 5. klasse (schon wegen meines Alters, ich war mittlerweile 14) eingeschult. Trotzdem war ich immer 2 - 3 Jahre älter als meine Mitschüler. Nach kurzen Schwierigkeiten ging es ganz gut. Trotz meines leichten Gehfehlers den ich durch meine Krankheit zurückbehalten hatte, war ich nun plötzlich der King in der Klasse, was ich auch ziemlich ausnutzte.

Es gab schon mal Rangeleien bei denen ich auch kräftig austeilte, meistens beschränkte ich mich aber auf die Beschützung der Schwächeren. Zu Mädchen legte ich ein eher zurückhaltendes Verhalten an den Tag. Irgendwie betrachtete ich Mädchen als höhere Wesen. Ich bewunderte wie sie sich kleideten (damals war der Petticoat groß in Mode), wie sie gingen, wie sie sich benahmen - einfach alles. Aber dabei blieb es. Ich war sehr schüchtern den Mädchen gegenüber.

Doch ich wollte ja erzählen wie es dazu kam, dass ich Frauensachen anzog. Obwohl eigentlich alles zusammenhängt. Als erstes fällt mir eine ältere Cousine ein, die damals oft bei uns war. Sie war immer auffällig gekleidet und sehr stark geschminkt. Sie zog mich immer damit auf, mich küssen zu wollen, denn ich hatte eine Scheu vor soviel geballter Weiblichkeit. Man muss bedenken, sie war ca. 25 und ich 13 - 14.

Aber auch wenn sie nicht da war, lagen überall Sachen von ihr herum: Kleider, Unterwäsche, Büstenhalter usw. Ich will nicht sagen, das meine Mutter unordentlich war, aber auch ihre Sachen hingen überall. Also wurde ich auf seltsame Art neugierig ja erregt. Na ja was kommen musste, geschah. Ich zog irgendwann die Sachen der beiden an. Natürlich nur wenn ich alleine war, und das war ich sehr oft, denn meine Eltern waren viel unterwegs.

Ich kann mich noch ziemlich genau an ein wunderschönes, weißes Kleid mit großen roten Punkten erinnern, dazu die entsprechende Unterwäsche wie BH, Schlüpfer und Unterrock. Sehr hatten mir es auch Mutters Schürzen angetan. Sie trug sehr oft Schürzen, das war damals so. Den Schürzentick, wie meine Frau sagt, habe ich bis heute behalten.

Nun ja, auch hier geschah, was zwangsläufig geschehen musste, beim Glattstreichen der Röcke passierte es, ich versaute Mutters besten Schlüpfer. Gefühle wie SCHAM und "NIE WIEDER" wechselten miteinander ab. Die Schlüpfer verbrannte ich. Sie wurden lange gesucht. Von wegen nie wieder! Ich hatte eine Grenze überschritten, über die es kein Zurück mehr gibt.

 


 

3 Späte Jugend:
Jetzt drängt alles, was ca. 40 Jahre in mir verschlossen war, ans Licht. Ich muss einfach weitererzählen. Wie schon gesagt, ich hatte nun eine Grenze überschritten. Nach nur kurzem Zögern nahm ich nun jede sich bietende Gelegenheit war, die Sachen meiner Mutter anzuziehen. Soviel ich mich erinnern kann, war das mindestens 2 x die Woche. Im Laufe der Zeit zog ich mich komplett als Mädchen an. Schlüpfte also in Perlonstrümpfe Schlüpfer, Hüfthalter, BH (dieser wurde mit Wollstrümpfen ausgefüllt), Unterrock, einem hübschen Kleid und natürlich wie es sich gehört, eine Schürze darüber.

Langsam begann ich mich auch zu Schminken (leider hatte ich nur einen Lippenstift und einen Augenbrauenstift). Perfekt war ich noch nicht, aber es wurde von Mal zu Mal unbeschreiblicher und schöner. Ja es war im Moment zwar schön, aber ich wurde hin und her gezerrt von Aufregung vorher, über Glücksempfinden und Befriedigung dabei, bis hin zu Scham und Reue hinterher.

Langsam ging ich auch dazu über meiner Mutter "Überraschungen" zu machen, indem ich, wenn sie nicht da war, die Betten und den Abwasch machte und andere Frauenarbeiten erledigte. Natürlich als Mädchen. Nun wurde ich sogar noch gelobt. Allerdings gab es auch das Eine oder andere Mal eine böse Überraschung als ich erwischt wurde. Hier bekam ich das erste mal Schläge von meinem Vater.

An Worte wie pervers, so was macht man nicht, Schweinerei und viele andere sehr böse Worte kann ich noch heute erinnern. Natürlich immer dann das versprechen: "nie wieder", das ich doch nicht halten konnte.

In der Schule lief alles bestens. Ich machte die Mittlere Reife und war nach außen immer der tolle Typ. Allerdings lebte ich auch hier in einem Zwiespalt. Zu Hause war ich zufrieden keinen bzw. kaum Bartwuchs zu haben (auch am Körper habe ich bis heute kaum Haare - vielleicht vom Schicksal so gewollt), andererseits mussten sich andere Klassenkameraden schon rasieren, was mich wiederum in Selbstzweifel stürzte.

Ein- oder zweimal hatte ich zwar eine Freundin (tolle Mädchen) aber vor lauter Verklemmtheit oder was es auch war, traute ich mich nicht, den entscheidenden Schritt zu tun. Ich spielte lieber den Kavalier, obwohl ich schon gerne gewollt hätte, blieb es bei Bewunderung dieser "höheren wesen". Und welches Mädchen macht das schon lange mit?

Nur einmal geriet ich an ein Mädel namens Monica. Die übernahm die Initiative. Ich wusste nicht wie mir geschah, aber auf einmal ging es los. Ich merkte, dass ich also der passive Teil sein wollte, aber so konkret dachte ich damals noch nicht darüber nach. Es war auch nur eine kurze Episode. Ich starb fast vor Liebeskummer, als sie einen anderen hatte.

So verging die Zeit. Meine inzwischen begonnene kaufmännische Ausbildung beendete ich mit Erfolg und war nun Angestellter eines größeren Betriebes. Was das Anziehen weiblicher Kleidung betraf, glaubte ich das, dass bei mir nur so ist, weil ich keine feste Freundin hatte. Von Transvestiten oder geschweige von Transsexuellen wusste wohl damals Mitte der 60er Jahre kaum jemand etwas. Geschweige denn ich dummes Schäfchen.

 


 

4 Das Erwachsenenleben:
Irgendwann beschlossen dann meine Mutter und eine Tante: der Junge muss heiraten. Eine großangelegte Kuppelei ,von der ich aber nichts wusste, begann. Also gegen Ende der 60 er Jahre lernte ich dann "SIE " kennen. Bildhübsch, gute Figur, wunderschön gekleidet und einer Heirat nicht abgeneigt. Das sie, so wie ich, einen leichten Gehfehler hatte, bestärkte mich nur. Ich war verliebt, glücklich und glaubte nun meine kleinen Ersatzbefriedigungen nicht mehr zu brauchen.

Auch sexuell klappte es na ja, so einigermaßen. Wir heirateten also nach einem Jahr, ohne das ich etwas von meiner Vorliebe erwähnte. Meine Frau hatte zu hause nur gelernt, lieb und artig zu sein, immer zu reagieren und niemals zu agieren. Dadurch wurde ich sozusagen in eine mir viel zu schwere Männerrolle gedrängt. Ich tat zwar immer sehr männlich, war aber eigentlich eher weiblich/passiv.

Auch die Rollenverteilung gefiel mir unbewusst nicht unbedingt. Ich hätte lieber den Haushalt gemacht, als arbeiten zu gehen. Dadurch ergaben sich Spannungen und ein unbefriedigtes Gefühl in mir.

In sexueller Hinsicht hätte ich, nachdem ich einmal den Bogen raus hatte, heimlich passiv zu sein, mehr erwartet. Die schönsten sexuellen Erlebnisse hatten wir, wenn ich unten lag. Aber sie wollte einen Mann. Natürlich hatte ich dadurch öfters "Versager". Ich hatte oft das Gefühl, auch ohne Erektion befriedigt werden zu wollen. Das ging natürlich nicht.

Es dauerte nun nicht mehr lange und schon klopfte mir in einsamer stunde "Bettina" (den Namen hatte ich mir mal selbst für mich ausgedacht) heimlich auf die Schulter und flüsterte: na wie währ`s? Und schon fing alles -nein nicht von vorne an- es wurde viel schlimmer.

Nebenbei gesagt, meine Frau wusste immer noch nichts von meiner heimlichen Leidenschaft für weibliche Kleidung, da ich glaubte, diese nicht mehr zu brauchen. Glücklicherweise fuhr meine Frau damals sehr viel zu ihrer Schwester übers Wochenende zu Besuch etwa 50 km entfernt. Meistens schon am Freitag, so dass ich von Freitag Abend bis Sonntag Mittag Zeit für mein, nun mit Macht erwachendes, zweites ich hatte.

Bettina war wieder da, aber jetzt viel intensiver, vollständiger und vor allem mit sehr viel Zeit für sich. Ich hatte wiederum das Glück, dass mir die meisten Sachen meiner Frau passten. Ich bin 1,75m groß und sie ca. 1.68m. Vor allem schminkte sich meine Frau sehr viel und hatte auch sehr viel Schminkzeug im Bad herumzuliegen, das ich nun alles in ruhe ausprobieren konnte. Komischerweise hatte ich jetzt nicht mehr ganz so viele Gewissensbisse.

Wie so ein langes Wochenende (Zusammenschnitt) verlief und was ich empfand, als ich das erste Mal von Transvestiten im Fernsehen sah und hörte, möchte ich im nächsten Brief berichten.

 


 

5 Bettina kehrt zurück:
Im Moment wühlen mich meine Briefe emotional sehr auf. Ich dachte, das ist alles Vergangenheit, aber beim Schreiben ist es auf einmal so, als wäre es Gestern gewesen. Trotzdem will ich es zu Ende bringen. Zurück zu meinem Leben:

Die Schilderung eines so von mir genannten Frauenwochenendes spiegelt natürlich nicht ein konkretes Wochenende wieder, sondern ist, in geraffter Form, ein Zusammenschnitt von Hunderten von Wochenenden. Ich glaube anders geht es auch nicht. Also ich erfahre: meine Frau fährt zu ihrer Schwester. Sofort ist Alarm in mir. Freude, Ungeduld. Endlich, heute ist es soweit! Den Büroarbeitstag bringe ich irgendwie hinter mich, Freunde u. Bekannte habe ich schon Tage vorher avisiert, so dass kein Besuch möglich ist.

Endlich zu Hause: vor Aufregung kann ich noch nichts essen, vielleicht nachher. Zuerst mal unter die Dusche und gründlich rasiert. Wie schon vorher mal erwähnt, habe ich keinen starken Bartwuchs und kaum mehr Körperbehaarung als manche Frau. Zu solchen Anlässen ist das natürlich optimal. Nun die Unterwäsche ganz feierlich und langsam. Vor längerer zeit habe ich mir mal ein großes Stück Schaumgummi vom Sattler besogt und mühsam aber mit gutem Endergebnis einen Schaumgummibusen angefertigt. Das kommt mir jetzt zu Gute alles sitzt perfekt. Größe 85 B, für die BHs meiner Frau passend.

Nun stehe ich im Unterrock vor dem Spiegel und schminke mich komplett mit allem was dazugehört. Make-up, Augenbrauenstift, Eyeliner, Wimperntusche, Lidschatten und Lippenstift. Eine Perücke brauchte ich nicht unbedingt da ich mein Haar damals ziemlich lang trug ,die Mode war damals so, sodass sich immer eine irgendwie weibliche Frisur hinzaubern ließ.

Dann stand ich oft wie verzaubert lange vor dem Spiegel. Eine wirklich gutaussehende Frau. Vielleicht etwas zu stark, aber geschmackvoll geschminkt schaute mich an. Noch nicht mal meine eigene Mutter hätte mich so erkannt. Ich musste meine Erregung bremsen um nicht alles zu schnell gehen zu lassen. Nun kam noch ein Rock und ein süßer Pulli. Und vor allem eine niedliche kleine Schürze.

In diesen Zeiten lernte ich auch das: je länger man mit der Befriedigung wartet, desto schöner ist alles. Nun ging es an den Haushalt. Ich hatte meiner Frau gesagt: "lass alles liegen, ich mach das schon." Es war ein volles Hausfrauenprogramm, aber ich war unbeschreiblich glücklich dabei. Anschließend machte ich es mir vor dem Fernseher gemütlich. Ich fühlte mich dann nicht so allein. Ich trank Schnaps und rauchte -es war herrlich.

Manchmal tanzte ich mit mir selbst nach irgendeiner Schnulze. Eventuell. gönnte ich mir jetzt die erste Befriedigung. Es wurde immer spät und nach 24 Uhr ging ich angeheitert ins Bett, na wie schon? Im schönsten Spitzenhemd meiner Frau mit BH darunter.

Das wäre der Freitagabend. Am Sonnabend blieb ich lange mit mir im Bett. Alles andere lief wie gehabt ab: Schminken, Anziehen, Haushalt, Essen kochen, damals noch einfache Gerichte. Am Sonntag dann der Sprung ins kalte Männerwasser. Ich hatte ein paar Stunden ernsthafte Probleme damit. In dieser Zeit wurde mir auch allmählich klar, dass irgendetwas bei mir anders als bei anderen Männern ist. Soweit dazu.

Irgendwann stolperte ich in eine Sendung mit und über Transvestiten, Transsexuelle usw. hinein. Die erste Reaktion war ein Freudenschreien in meinem inneren. "HURRA, ICH BIN NICHT ALLEIN AUF DER WELT". Ich begann meine seelische Heimat irgendwo zwischen TV oder TS zu begreifen. Dann begannen endlose Gespräche, Diskussionen und Debatten. Ich outete mich zwar noch nicht, aber redete nur noch darüber und war völlig aus dem Häuschen.

Aber auch über die Interesselosigkeit meiner Frau für dieses Thema war ich entsetzt, ich fühlte mich sehr unverstanden. Für mich gab es nun fast nur noch dieses Thema und -natürlich- nervte ich sie damit. Beinahe zeitgleich bekam meine Frau unser erstes Kind (ein Junge), worüber ich mich natürlich sehr freute. Ein Jahr später bekam sie den zweiten Jungen. Das überlagerte auch kurze Zeit meine Probleme, stellte aber auch gleichzeitig neue dar.

Ebenfalls gleichzeitig, vielleicht um mir selbst aber auch meiner Frau doch noch zu beweisen was ich für ein toller Kerl ich war, begann ich ein Fernstudium für Ökonomie um meinen Fachschulabschluss zu machen. In der Zeit ackerte ich wie ein Pferd an allen drei Fronten: Familie, meinen Identitätsproblemen und dem Studium.

In jeder freien Minute: Studium oder Frau sein. Manchmal beides gleichzeitig. Wenn ich zum Selbststudium allein gelassen werden wollte, studierte ich in Frauenkleidern. Ich war mit den Nerven völlig am Boden, schaffte aber alle Prüfungen und konnte damit für mich und meine Familie einen soliden finanziellen Grundstein legen.

Ich bekam eine Anstellung als ökonomischer Leiter eines ca. 150 Mann Betriebes, war also auf einmal der zweite Chef im Betrieb und zum anderen Leiter einer hauptsächlich aus Frauen bestehenden Abteilung. Es war mir schon seltsam zumute, als Mann, der ich eigentlich nicht sein wollte, richtigen Frauen die nach meinem Verständnis immer noch höhere Wesen waren, Anweisungen zu geben.

Natürlich war ich oft viel zu verständnisvoll und geriet dadurch wiederum in Schwierigkeiten. Durch die ständige Dreifachbelastung wollte nun allerdings so langsam mein Nervenkostüm nicht mehr mitmachen. Ich suchte auch ständig dürstend nach TV/TS Sendungen im Fernsehen. Fand ich mal etwas entsprechendes, wollte meine Frau einen Krimi sehen. Und schon gab es Streit. Ich fühlte mich immer mehr unverstanden. Die Spannungen in mir wuchsen ins Unermessliche.

ABER, die eigentliche Katastrophe kam schlagartig, als die Besuche meiner Frau bei ihrer Schwester plötzlich aufhörten. Was nun? ich stand vor dem AUS. Nerven, Kreislauf, Herz alles spielte verrückt. Ich versuchte mich ein Jahr lang mit Arbeit zu betäuben. Es wurde immer schlimmer. Ich wurde reizbar, unleidlich, bekam Angstanfälle und Depressionen. Dadurch kam natürlich nun überhaupt kein Sex mehr zustande, was die inneren Spannungen noch mehr verstärkte.

Was nun kam, war vorprogrammiert: ich musste meiner Frau alles erzählen. Und das nach ca.12 Jahren Ehe. Wie sich das abspielte, wie beinahe unsere Ehe daran zerbrach, wie ich mir jedes Stückchen Weiblichkeit wieder neu, in endlosen monatelangen Diskussionen, erkämpfen musste und wie ich trotzdem in die Fänge der Psychiatrie geriet, möchte ich im nächsten Brief berichten.

 


 

6 Das Leben:
Vielleicht noch etwas zu unseren beiden Kindern, die im letzten Brief etwas zu kurz kamen. (Beides jungen) Einer, dass stellte sich aber erst später heraus, ist leicht geistig behindert. Ich habe mich mit meinen Kindern sehr viel beschäftigt und habe sie sehr gerne. Einer ist jetzt schon aus dem Haus. Den anderen behalten wir wohl immer bei uns. Auch die Fahrerlaubnis (PKW) habe ich trotz aller nervlichen Probleme geschafft.

Um nun wieder an den letzten Brief anzuknüpfen, meine ganze Situation spitzte sich derart zu, dass mir nichts weiter übrig blieb, als alles zu beichten. Das schreibt sich so einfach, war aber ein langer schmerzlicher Prozess, der sich über Wochen, ja Monate hinzog. Für meine Frau stürzte das Gesamtbild, dass sie von mir hatte, wie ein Kartenhaus zusammen.

Auf einmal war da kein starker, sondern ein sehr schwacher Mann an ihrer Seite. Einer wie diese "TYPEN" Aus dem Fernsehen. Das alles zu verstehen dauerte eine Weile. "Aber wenn du nun auch noch anfängst Weiberklamotten anzuziehen, ist es aus". Aber genau das war es ja. Ich musste wieder ganz von vorne anfangen, wo ich doch schon so weit war.

Zuerst mal mit einer Trägerschürze im Haushalt helfen und dann ganz langsam mit unheimlich viel Diskussionen um jedes weitere Kleidungsstück kämpfen. Kuck mal, die im Fernsehen haben das doch auch usw. Na ja, ich durfte dann erst einmal im Monat, dann einmal die Woche Frau sein. Dann kam die Diskussion ums Schminken, die genauso nervig war.

So ganz langsam im Zeitraum von ca. 1-2 Jahren eroberte ich mir meine Weiblichkeit zurück. Es gab dabei aber, wie kann es anders sein, zwei Probleme: einmal funktionierte die Sache nur, wenn die Kinder bei meinen Eltern untergebracht waren und zum zweiten duldete meine Frau mich zwar in Frauenkleidern, war aber wie versteinert und gereizt. Ich zauberte mir eine heile Welt durch viel Alkohol dabei.

Aber auch diese Pseudowelt brach zusammen, als die Kinder größer waren und nicht mehr bei der Oma schlafen wollten. Also wieder das AUS. Diesmal zerbrach ich daran. Stärkste Depressionen, Herzattacken, hoher Blutdruck und vor allem panische Todesängste waren die Folge. Ich wurde krank geschrieben (sehr lange), heulte nur noch und trug mich mit Selbstmordgedanken.

Also, meine Frau ging mit mir zu einer uns bekannten Nervenärztin, der ich erstmalig alles erzählte. Jetzt wurde ambulant an mir herumgedoktert. Ich bekam nicht irgendwelche Pillen, sondern schwerste Psychopharmaka gegen Spaltungsirrsinn (Schizophrenie). Die halfen zwar nicht, machten mich aber erst richtig fertig. Nichts ging mehr. Nun blieb nur noch die Einweisung in eine große psychiatrische Klinik in der Nähe.

Auf eine Art war ich sogar erleichtert und erzählte während Tests, Untersuchungen, ausfüllen von Fragebögen usw. von meinen Problemen. Erstmalig bemerkte ich, das die Ärzte wussten von was ich überhaupt rede. Das bedeutet aber nicht, dass hier alles reine Freude war. Einige Ärzte behandelten mich wie den letzten Abschaum (..."denken sie nicht, das ich mich gerne mit solchen wie ihnen beschäftige, sondern ich muss").

Die andere Belastung war, dass ich dort mit wirklich richtig Verrückten zusammen auf einer geschlossenen Station untergebracht war. Ich hatte schlimme Erlebnisse, über die ich nicht berichten möchte. Ich habe sie verdrängt. Erst nach ca. 1/4 Jahr bekam ich Kontakt zu anderen Transsexuellen. Kurioserweise wurden diese mit anderen Nervenkranken zusammengesperrt. Vielleicht aber zu meinem Glück. Ich lernte hier u.a. sehr sympathische, selbstbewusste und mutige Leute kennen, die unbeirrt ihren Weg gingen.

Etwas von diesem Selbstwertgefühl blieb an mir hängen. Einfach dieses "na-und" Gefühl. Allerdings merkte ich auch, dass ich nicht den Mut zu einer OP aufbringen würde, einmal aus nackter Angst, aber auch weil ich doch an meiner Familie hing. Ich bekam keine Tabletten sondern Gruppentherapie, Psychotherapie, autogenes Training usw. Das half zwar nicht gegen das Grundproblem, machte mich aber etwas ruhiger und vor allem bekam ich eine andere Einstellung zur gesamten Thematik.

Endlose Gespräche mit TS, Ärzten und Psychologen trugen dazu bei. In der letzten Zeit meines Klinikaufenthaltes hatten einige von uns schon Ausgang. Nun bekam ich zwar sehr kurzen, aber sehr innigen Kontakt mit einer bereits operierten TS. Bei meiner Entlassung erfuhr meine Frau davon. Ich machte mich auf alles gefasst, aber das Gegenteil passierte. Ich hatte auf einmal eine liebevolle, verständnisvolle und was sehr wichtig für mich war, eine sehr aktive Frau.

Wir hatten zwar im Bett beide Damenwäsche an, aber ansonsten wurde das Thema Trans... erst mal zurückgestellt. Erst nachdem der graue Alltag wieder einkehrte, begann alles von vorne und damit wieder endlose Diskussionen, bei denen ich nun aber viel besser argumentieren konnte. Es gelang mir, meine Frau langsam davon zu überzeugen, dass es sich um eine ernstzunehmende Veranlagung handelt, für die der Betroffene nichts kann.

Ich erklärte: "wenn du mich wirklich liebst, dann halte auch zu mir, ich habe nicht mehr die Absicht mich meiner Veranlagung wegen zu schämen". Im Prinzip machten wir Folgendes aus: wenn es irgendwie geht, kann ich Frauensachen anziehen, aber nur zu Hause. Es darf keiner, auch nicht die Kinder, davon erfahren. In der Öffentlichkeit musst den Schein waren.

Es gab zwar immer wieder aufflackernde Diskussionen, z.B. ums mehr oder weniger starke Schminken oder welche Sachen (bis dato hatte ich außer meinen Schaumgummibusen kaum eigene Sachen) darf ich anziehen. Wir hatten inzwischen auch eine andere Wohnung und einer unserer Söhne ging aus dem Haus. Ganz wichtig für mich war, das es mir mit allerlei Tricks gelang (ich hatte ja schon immer einen Gehfehler), in Frührente zu gehen.

Ich arbeitete zwar noch stundenweise, aber hatte nun sehr viel mehr Zeit und Freiräume. Unser zweiter Sohn (der geistig Behinderte) wohnte zwar noch bei uns, war aber auch oft nicht zu Hause. Allerdings wohnten wir nun in einem Reinhaus in einer sehr belebten Straße. Außerdem sind wir sehr bekannt. Also andauernd klingelte es oder irgendwelche anderen Störfaktoren behinderten mich ständig bei meiner Hausfrauenarbeit (noch unter Anleitung meiner Frau).

Das, dass auf die Dauer sehr nervt, rein in den Rock, umziehen, rein in die Hose usw. kann sich jeder denken. Ich wollte mein Problem auf meine Art ein für alle Mal lösen. Obwohl noch lange nicht nervlich stabil, wollte ich mir nun endgültig etwas einfallen lassen. Auch wenn es schwergefallen wäre. Jetzt wollte ich Nägel mit Köpfen machen. Eins stand für mich fest: nie wieder Klapse!

Wie es nun weitergeht, wie ich mit dem Mut der Verzweiflung ein Haus baute und aber im Endeffekt nun im goldenen Käfig sitze, darüber im nächsten Brief.

 


 

7 Im Käfig:
Bevor ich begann, mit dem Mut der Verzweiflung ein Haus zu bauen, ergaben sich noch zwei Aspekte, die mein weiteres Leben stark beeinflussten. Ich sagte ja schon, dass ich kaum etwas eigenes anzuziehen hatte. Ab Anfang 1990 begann meine Frau sehr viel und sehr oft aus dem Katalog (Quelle usw.) Bekleidung zu bestellen. Jetzt wurde ich aufmerksam. Nach nur kurzer Diskussion (muss das denn sein?) durfte ich mir nun endlich auch so ganz allmählich eigene weibliche Unterwäsche, BHs, Slips, Strumpfhosen und Unterröcke bestellen.

Auch Oberbekleidung wie Röcke, Blusen, Schürzen, T-Shirts usw. durfte ich ordern. Natürlich nicht gleich in Mengen, aber immerhin eine Grundausstattung. Bei der Größenauswahl war sie mir sogar, manchmal zwar wiederstrebend, aber immerhin behilflich. Nun hatte ich endlich eine eigene Damengarderobe nur für mich. Das Schminkzeug meiner Frau (es war immer genug da) durfte ich mitbenutzen.

Auch eine Art Typberatung nach Katalog machte sie mit mir. Die Stimmung meiner Frau war trotzdem irgendwie zwiespältig. Einmal half ich zwar sehr viel im Haushalt, war dabei fröhlich, ausgeglichen, lustig und entspannt, zum anderen merkte ich aber auch, dass sie mich noch nicht so richtig als Frau akzeptieren konnte. In Männerkleidung war ich deshalb absichtlich eckig u. kantig. Aber wie das leben so spielt, meine Frau musste für 4 Wochen ins Krankenhaus zu einer Operation.

Es war zwar nichts lebensbedrohliches, aber etwas langwieriges. Natürlich besuchte ich sie jeden Tag (in Männerkleidung mit Damenwäsche darunter). Und das Schönste: meine Frau wusste, was ich drunter trug. Unser anderer Sohn war in den 4 Wochen woanders untergebracht. Die übrige Zeit zu Hause lebte ich nun erstmalig vollständig als Frau. Ich hatte in der zeit Urlaub genommen, zumal ich sowieso im Betrieb keine Rolle mehr spielte, denn ich hatte als Halbtagskraft keinen verantwortlichen Posten mehr.

Nun sind ja 4 Wochen nicht einem Wochenende gleichzusetzen. Es war fast wie ein Alltagstest im Kleinen. Ab und zu musste ich zwar einkaufen gehen, aber auch nur mit etwas männlichem drüber. Wie es drunter aussieht, geht niemanden etwas an. Wenn die Türklingel ging habe ich sie, wenn ich gerade geschminkt war, einfach klingeln lassen. Ansonsten zog ich erst was drüber. Die ersten 2 - 3 Tage waren zwar so, wie meine früheren "Frauentage", aber bald merkte ich, dass das Früher nicht das wirkliche Frauenleben war.

Ich war jetzt nicht nur komplett, mit allem was dazugehört, sondern sogar mit eigenen Sachen als Frau angezogen. Ich war stark aber nicht übertrieben geschminkt, hatte aber auch alle Verantwortung einer richtigen Frau im Haushalt und das Tag für Tag. Ich merkte ich war nicht nur wie eine Frau gekleidet -ICH WAR EINE FRAU! Welch herrliches Gefühl. Ich glaube, ich habe mich noch gar nicht richtig beschrieben. Also, 55 Jahre, 1,75m groß, ca.68kg schwer, sehr wenig behaart, als Frau in den reiferen Jahren ganz ansehnlich. Auch als Mann werde ich meist für ca.10 Jahre jünger gehalten, ich tue aber auch viel dafür mit Kosmetik usw.

Doch jetzt weiter: vor allem merkte ich nun, dass, je seltener ich masturbierte, das Gefühl immer intensiver wurde, eine richtige Frau zu sein. Ich glaube zum Schluss war es nur noch ein- bis zweimal die Woche. Aus heutiger Sicht habe ich damals endgültig die Grenze vom TV zum TS überschritten. Das Leben als Frau war unbeschreiblich schön. Ein Gefühl der Selbstverständlichkeit stellte sich langsam ein.

Ich könnte jetzt wieder einen zusammengerafften Tag wiedergeben, aber es war eigentlich ein ganz normaler Hausfrauenalltag mit morgens Duschen, im Unterrock Frühstücken, Anziehen, Schminken, Putzen, Kochen, Wäsche waschen usw. Eine Sache machte mir besonders viel Spaß: wenn ich irgendwie nicht weiter wusste, telefonierte ich mit der besten Freundin meiner Frau und diskutierte über Hausfrauenprobleme.

Auch meine Frau im Krankenhaus fragte ich wenn ich etwas im Haushalt nicht wusste, manchmal rief ich sie an. Sie wusste dabei ganz genau wie ich am Telefon gekleidet war. Oft bemerkte sie mit aufmerksamem Blick beim täglichen Krankenbesuch noch Schminkreste bei mir. Mit einem leichten Kopfschütteln putzte sie an mir rum. Ich muss sagen, in der Zeit lernte ich sehr viel. Sogar kochen von einfachen Gerichten usw.

Ich fühlte und lebte zum ersten mal so lange Zeit hintereinander als Frau. Als meine Frau nach Hause kam ging sie prüfend durch alle Räume, kuckte in alle Schränke und sagte nur: "DONNERWETTER an dir ist ja wirklich eine Hausfrau verloren gegangen". Das war das schönste Lob in meinem ganzen Leben. Von da ab änderte sich ihre Einstellung zu mir doch erheblich.

Sogar, dass ich mir in der Zwischenzeit sehr viel weibliche Unterwäsche, Nachthemden und Damen-Oberbekleidung im Versandhandel gekauft hatte, wurde akzeptiert. Ich bemerkte aber auch das ich mir das Frausein täglich neu und sehr viel härter erkämpfen musste als eine richtige Frau. Natürlich lief es jetzt wieder etwas anders, zumal unser Sohn wieder zu Hause war und nichts bemerken durfte. Denn so dumm ist er nun auch wieder nicht.

Auch Außenkontakte waren wieder häufiger. Kurz, ich empfand wieder Einengung meiner nun mit aller Macht erwachten Weiblichkeit, die ich nie wieder missen wollte. Der Gedanke ein Haus zu bauen entstand, als wir durch eine Erbschaft finanziell dazu in die Lage versetzt wurden. Zwar mit einer finanziellen Belastung, aber durchaus machbar, da ich ja jahrelang gut verdient hatte.

Ich plante und baute ein schönes Einfamilienhaus, das ich in Gedanken meinen "Fuchsbau" nannte, weil an alle Eventualitäten gedacht wurde. Ausweichmöglichkeiten wenn einer kommt, Hinterausgang, Sichtschutz, (auch im Garten), langer Anmarsch vom Gartentor bis zum Haus, Wechselsprechanlage usw. Trotzdem ist es ein wunderschönes Haus im Grünen.

Auch an einen separaten Eingang für unseren Sohn wurde gedacht, aber er ist sowieso tagsüber nicht zuhause und geht abends früh schlafen. Eigentlich so könnte man denken habe ich nun alles erreicht, aber der Mensch ist nie zufrieden. Oder man kann sagen: der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das Problem ist, dass meine Frau zwar fast alles duldet, ja irgendwie vielleicht auch gut findet (welche Frau hat schon eine kostenlose Hausgehilfin?), aber keinen Sex und keine Zärtlichkeit mehr mit mir haben möchte.

Sie sagt zwar, das es nicht an meiner Bekleidung liege, aber ich weiß nicht recht. So lebe ich in der Regel 16 stunden am Tag als Frau, aber (die alte Abmachung gilt noch) habe keinerlei Außenkontakte zu Gleichgesinnten und darf außerhalb des Grundstückes nur als Mann auftreten. Das währe alles nicht so schlimm, wenn der Drang nach etwas Zärtlichkeit, Kuscheln usw. nicht wäre. Aber da beiße ich auf Granit. "Du hast deine Sache, lass mich zufrieden", ist die Antwort.

Warum ich hier im Netz überhaupt schreibe, ist um irgendwie mal ein nettes Wort von Gleichgesinnten zu hören und um sich nicht so allein zu fühlen. Ich habe es 1-2 mal mit Telefonsex versucht aber das war alles zu blöd und ich merkte auch, das es mir eigentlich nicht vordergründig um Sex geht.

So sitze ich also nun hier im GOLDENEN KÄFIG, so mancher gleichgesinnte würde vielleicht davon träumen, habe den Kleiderschrank voller Damengarderobe und seit 1997 sogar richtige Silicon-Brustprothesen, im Bad unheimlich viel Schminkzeug und bin trotzdem seelisch unzufrieden. In vielen Stunden Nachdenklichkeit und durch Lesen von Büchern, wie "Mann oder Frau" von Karin Hertzer, oder "Im Rock" von Waldtraud Schiffels und vielen anderen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass nicht wir TS die Unnormalen sind, sondern die sogenannten "Normalen" die uns Normen auferlegen in die wir nicht hineinpassen und auch nicht passen wollen.

Das Problem ist, dass den Meisten der Mut und die Kraft fehlt, nach außen zu gehen. Ich glaube das es bedeutend mehr TS / TVs gibt, als angenommen. Sicherlich begegnen einem täglich solche Menschen, aber alle halten sich bedeckt nur weil die Gesellschaft es so will. Alle haben Angst vor Entdeckung. Auch ich habe Angst durch ein unbedachtes Wort oder irgendeine Auffälligkeit alles aufs Spiel zu setzen: die Geborgenheit der Familie, die Zuneigung der Kinder, die Zuneigung von Freunden und vieles mehr.

Die Gesellschaft bedenkt nicht, dass wir auch Menschen, ja vielleicht menschlichere Menschen als so mancher der sogenannten "Normalen" sind. Bis dahin ist es aber wohl noch ein weiter Weg, das zu erkennen.

Sicherlich kann diese Lebensbeichte nicht vollständig sein, einmal aus Platzgründen und zum anderen durch Verschweigen von solchen Details, deren Veröffentlichung einem Coming-out gleichkommen würden. Letztlich hat mich das Wühlen in zum Teil alten Erinnerungen sehr viel Kraft gekostet, aber ich hätte trotzdem noch viel zu erzählen, denn 40 Jahre TS sind eine lange Zeit.

 


 

LIEBE Laura:
was ich mir noch wünsche, ist dass wir noch lange in Kontakt bleiben, denn einmal warst du der erste Mensch dem ich mein Leben erzählt habe und zum anderen der erste Mensch den meine Situation überhaupt interessiert hat.

Liebe Bettina:
Ich bin sicher nicht die Einzige, die deine Geschichte interessiert, du wirst sehen. Vielen geht es ähnlich wie dir. Wir sind nicht allein!