Sie
waren den Berg hinaufgestiegen und gingen auf das Schloß
zu. Scharen von Menschen waren an diesem ersten, warmen Sonntag
im März unterwegs. "Die ganze Stadt scheint sich hier
verabredet zu haben", dachte die Mutter. Sie wäre lieber
an einem stilleren Ort spazieren gegangen. Der Schnupfen machte
ihr das Atmen schwer und sie hatte wenig geschlafen. Das nächtliche
Gespräch mit ihrem Sohn fiel ihr ein.
Nein,
daran wollte sie jetzt nicht denken. Sie taumelte. Am Morgen hatte
sie gebügelt und das Mittagessen vorbereitet. Ihr war keine
Zeit geblieben, einen Blick in den Spiegel zu werfen. "Kein Mensch
guckt dich an," dachte sie "es ist gleich, ob du angemalt bist,
oder nicht.
Ihr Sohn hatte ihren Arm genommen, als sie taumelte. "Gut sieht
er aus, mit seinen langen, dunklen Haaren, die hinten zusammengebunden
sind und seiner hohen Stirn. Die Nase hat er von mir. Sie ist
etwas zu groß, damit kann er leben. Aber er kann keine Frau
sein, damit kann er nicht leben."
"Zu viele Menschen hier", dachte er, "und das Schloß, na
ja, darauf hätte ich verzichten können. Aber es gibt
nichts wesentliches mehr zu sagen und dann ist es egal, wo man
ist." Er faßte den Arm der Mutter, die taumelte. "Schlecht
sieht sie aus. Sie wird immer kleiner, die Haare werden dünner.
Man kann die Kopfhaut durchschimmern sehen. Aber meine Haare wünschte
ich mir auch dichter.
Den ganzen Morgen hat sie gebügelt, gekocht und der Schnupfen
setzt ihr zu. Ob sie verstanden hat, was ich ihr heute nacht erzählt
habe? Ob sie nachfühlen kann, wie mir zumute ist? Das ich
es nicht in meiner Haut aushalten und doch nicht heraus kann?!"
"Der
Weg wird leichter," sagte die Mutter und sie gingen talwärts.