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von Brunhild Barwich

Sie waren den Berg hinaufgestiegen und gingen auf das Schloß zu. Scharen von Menschen waren an diesem ersten, warmen Sonntag im März unterwegs. "Die ganze Stadt scheint sich hier verabredet zu haben", dachte die Mutter. Sie wäre lieber an einem stilleren Ort spazieren gegangen. Der Schnupfen machte ihr das Atmen schwer und sie hatte wenig geschlafen. Das nächtliche Gespräch mit ihrem Sohn fiel ihr ein.

Nein, daran wollte sie jetzt nicht denken. Sie taumelte. Am Morgen hatte sie gebügelt und das Mittagessen vorbereitet. Ihr war keine Zeit geblieben, einen Blick in den Spiegel zu werfen. "Kein Mensch guckt dich an," dachte sie "es ist gleich, ob du angemalt bist, oder nicht.

Ihr Sohn hatte ihren Arm genommen, als sie taumelte. "Gut sieht er aus, mit seinen langen, dunklen Haaren, die hinten zusammengebunden sind und seiner hohen Stirn. Die Nase hat er von mir. Sie ist etwas zu groß, damit kann er leben. Aber er kann keine Frau sein, damit kann er nicht leben."

"Zu viele Menschen hier", dachte er, "und das Schloß, na ja, darauf hätte ich verzichten können. Aber es gibt nichts wesentliches mehr zu sagen und dann ist es egal, wo man ist." Er faßte den Arm der Mutter, die taumelte. "Schlecht sieht sie aus. Sie wird immer kleiner, die Haare werden dünner. Man kann die Kopfhaut durchschimmern sehen. Aber meine Haare wünschte ich mir auch dichter.

Den ganzen Morgen hat sie gebügelt, gekocht und der Schnupfen setzt ihr zu. Ob sie verstanden hat, was ich ihr heute nacht erzählt habe? Ob sie nachfühlen kann, wie mir zumute ist? Das ich es nicht in meiner Haut aushalten und doch nicht heraus kann?!"

"Der Weg wird leichter," sagte die Mutter und sie gingen talwärts.