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Laetitia`s
Bericht von der Straße
Die
Nacht senkt sich über die Landeshauptstadt. Kühnen Schrittes und
hocherhobenen Hauptes sieht man einen Schatten gen Altstadt streben:
Es ist Laetitia, die stadtbekannte junge Strichtranse.
"Laetitias Bericht von der Strasse" ist ein schonungslos ehrlicher,
nervenaufreibender und herzzerfetzender Report aus dem prallen Leben.
Die
erste Nacht:
Die erste Nacht war eine fatale Nacht. Eigentlich waren die ganzen
ersten Monate fatal, bis es mir endlich gelang, ein Mindestmaß an
Routine und Professionalität zu entwickeln. Aber die aller erste
Nacht war besonders fatal. Ich war blutige 18 Jahre jung. Es war
eine warme Septembernacht, ein Freitag oder Samstag (die Erinnerung
mag mich trügen, es ist allzu lange her - mindestens zwei Wochen
- trotzdem mein Auge gerne mit nostalgischem Blick auf jene guten
alten Tage zurückblickt). An einem glutvoll schönen Septemberabend
also - die Dunkelheit hatte sich soeben über die Altstadt gesenkt
- lief ich junges naives Schulmädchen zagenden Schrittes übers Pflaster.
Eine
unheimliche Transenbekanntschaft hatte mich eingeweiht, wo man zu
stehen habe.
Ach Gott, was hatte ich doch für eine behütete Kindheit; ich kannte
wohl die Gegend doch hätte ich je geahnt, was dort getrieben wurde?
Da stand ich nun also, mit nichts bewaffnet, als einigen Kondomen
und undeutlichen Ratschlägen - nicht den Preis drücken lassen -
drücken lassen? Qu`est-ce que c`est ? - und nicht mit in die Wohnung
gehen - und aufpassen ! - war dort und blickte mutigen Auges dem
sozialen Abstieg entgegen, während ich mich in einer ungünstigen
Strasse in ungünstiger Position darstellte.
Ich
trug, da ich von Prostitution nichts kannte außer ihrem Klischee,
einen Minirock, Strapse und hohe Schuhe und war grell geschminkt.
Und, der Leser darf gespannt sein, meine erste Begegnung.... war....
die Polizei. Erschreckt und hysterisch huschte ich um die Ecke und
war schwer atmend und verstört - schwupps - in einem Hauseingang
verschwunden, als die Streife vorbeifuhr.
So
ging es eine ganze Weile - doch ich will den Leser damit nicht langweilen
- bis sich endlich das Interesse eines Mannes herauskristallisierte
und - wie gerne hielt ich mich jetzt an mein psychologischen Verdrängungsmechanismen
und erzählte von dem Mann, der mit dem BMW hielt und mich für 200
Mark mitnahm, doch dies war mein zweiter Kunde und davon später
- da war doch tatsächlich mein erster Freier ein älterer, etwas
schmutziger Mann, der seine Dirne zu Fuß suchen musste, weil an
seinen uralten, verbeulten Wagen keine, die noch ein Fünkchen Anstand
hatte, herangetreten wäre.
Nicht
gerade ehrenhaft: ich ließ mich auf 50 Mark ein, ich hatte ja keine
Ahnung; doch dies ist ein Geheimnis, das ich nur hier meinem geneigten
Leser anvertraue; von meinen Kolleginnen würde ich mit Schirmen
und Handtaschen verprügelt. Für 50 Mark mitgehen, Tss. Jedenfalls
stieg ich in sein schmuddeliges Auto (die Bezeichnung "Auto" trifft
es nicht ganz, kommt aber seinem Gefährt noch am nächsten, es fehlen
in meinem Wortschatz Begriffe dafür) und wir fuhren auf der Suche
nach einer geeigneten Örtlichkeit so lange durch die Strassen, bis
ich die Geduld verlor, und wir uns schlicht in einer ruhigen Seitengasse
hinstellten. Seine fleischige Hand strich dabei unentwegt über mein
Knie und ließ mich erstarren.
Ich
erhielt mein Geld, 50 Mark, was für mich Naive damals wie ein Fest
war. Und während ich den Schein in meiner Tasche versteckte und
ein Kondom herausfischte, war dieser alte Kerl doch tatsächlich
dabei, sich völlig auszuziehen, hatte die Hosen schon aus und knöpfte
sich gerade das Hemd auf. Unwillkürlich griff ich mir an die Stirn
und schüttelte seufzend den Kopf. Was war bloß aus dem Menschen
geworden, der Krone der Schöpfung ?
Er
rieb seinen fetten Hintern auf dem Sitz hin und her und führte stöhnend
meine Hand ihrer Bestimmung entgegen. Sein Teil fand ich nicht gleich,
nur das Paar der dicksten, größten und prallsten Eier, das ich jemals
gesehen hatte und auch später nie wieder sehen sollte.
Mit
spitzen Fingern und gerunzelter Stirn hielt ich schließlich etwas
in der Hand, das buchstäblich genauso lang wie dick war.
Was ich nicht wissen konnte: ich hatte einen der älteren Vertreter
der Klientel vor mir, die uns Huren üblicherweise nicht allzu lang
aufhalten, weil sie sehr früh kommen... Sehr früh? Als ich mit der
freien Hand und den Zähnen gerade das Kondom aufreißen wollte, spürte
ich plötzlich einem warmen, dicklich-klebrigen Saft über die Finger
meiner oszillierenden Linken rinnen, begleitet von heftigen, gutturalen
Grunzlauten...
Ekel
brandete meine Kehle hinauf, der Schweiß rann mir aus sämtlichen
Poren und Schwindel umnebelte mein Gehirn. In letzter Sekunde riss
ich die Autotüre auf und spie in hohem Bogen über ein Gartentor.
Die
Welt drehte sich, wogte in Wirbeln und Kreisen; aber mein dicklicher
Freier half mir in die Realität zurück, er rief mit gedämpfter Stimme
zu mir herüber:" Darf ich noch mal?"
Tja,
dies war also die erste Nacht. Ich weiß nicht, wie ich nach Hause
kam. Es bedurfte einer Woche der physischen und psychischen Rekonvaleszenz,
bevor ich anfangen konnte, mein erstes Erlebnis langsam aufzuarbeiten.
Diesen Text schreibe ich im Bett nieder, mit einer Wärmflasche an
den Füssen und einer Kanne Kamillentee auf dem Nachttisch.
Ort
und Zeit sind nicht frei erfunden, die Personen authentisch und
die Namen nicht geändert. Sollten Sie sich in einer Schilderung
wiederfinden, muss das kein Zufall sein.
Mein Name ist Laetitia,
ich bin Transe und gehe auf den Strich.
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